1996: NSU in Aschaffenburg

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Am 24. Februar 1996 demonstrierten ca. 300 Neonazis auf dem sog. "Hans-Münstermann-Trauermarsch" durch Aschaffenburg. Als Drahtzieher der seit 1993 stattfindenen Aufmärsche benannten Aschaffenburger AntifaschistInnen in einem Flugblatt von 1997:

Falko Schüßler (Frankenrat, ex FAP); Klaus Beier (NPD Landesvorstand); Axel Schunk (Bundesv. Wikingjugend); Jürgen Schwab (Herausgeber: Junges Franken)

Falko Schüßler und seine Frau Sigrid Schüßler sind heute noch die treibenden Kräfte hinter dem NPD-Kreisverband Aschaffenburg. Sigrid Schüßler hat zudem 2012 den Vorsitz der NPD-Frauenorganisation RNF (Ring Nationaler Frauen) übernommen. Klaus Beier ist zur Zeit Bundesgeschäftsführer / Pressesprecher der NPD, Axel Schunk hat 2010 zusammen mit Thomas Wulff das alte Schloss Trebnitz ersteigert. Jürgen Schwab betätigt sich heute als extrem rechter Publizist und Redner.
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24.Feb 1996 Aschaffenburg: Falko Schüßler (helle Jeans, schwarze Lederjacke)

Auch die Hintergründe des Naziaufmarsch werden im Flugblatt erläutert:

Am Rosenmontag 1993, den 22. Februar, wurde im Verlauf einer Schlägerei in
der Aschaffenburger Innenstadt der 20-jährige Hans Münstermann durch
Messerstiche getötet. Da der Täter als "Südosteuropäer" beschrieben
wurde, durchsuchten Polizei und Bundesgrenzschutz teilweise zweimal alle
Flüchtlingsunterkünfte in Aschaffenburg und nahmen ca 20 "Tatverdächtige"
fest. Während Lokalpresse, Radio und Fernsehen von Mord sprachen, mußte
das Gericht den Täter, einen Asylantragsteller aus Albanien, wegen
erwiesener Notwehr freisprechen. Nach Rekonstruktion der Geschehnisse
ergab sich folgendes Bild der "Massenschlägerei zwischen Deutschen und
Ausländern":
Ca. 20 - 25 deutsche Jugendliche, darunter der als rassistische Schläger
bekannte Kick-Boxer Hans Münstermann und sein Freund Robert Iliazovic, bis
zum Verbot Kreisvorsitzender der FAP Aschaffenburg, schlugen mit
Holzlatten und Pflastersteinen auf fünf albanische Flüchtlinge ein.
Nachdem einer der Flüchtlinge schwer verletzt wurde (Nasenbein- und
anderen Brüche), stieß er mit einem Messer, das einem der Faschos gehörte,
nach Münstermann und traf ihn tödlich.
Am 27.02.93 versammelten sich rund 800 Menschen aus Aschaffenburg und
Umgebung zu einer "Lichterkette gegen Deutschfeindlichkeit" mit
anschließendem Trauermarsch und Fackelzug.
Aufgerufen hatten die "Eltem und Freunde von Hans", die sich verbal gegen
"rechtsradikale Tendenzen" abgrenzten, sowie der "Deutsche Freundeskreis"
(DF), bestehend insbesondere aus Mitgliedern von FAP, Wiking Jugend und
NPD/JN.

An der Demonstration 1996 nahmen auch Mitglieder der Kameradschaft Jena des Thüringer Heimatschutzes teil. "Im Februar 1996 kontrollierte die Polizei mehrere Autos auf dem Weg zu einem rechtsextremen Aufmarsch im unterfränkischen Aschaffenburg. Im Wagen von Ralf Wohlleben, der heute als mutmaßlicher NSU-Helfer in Untersuchungshaft sitzt, fuhren auch Mundlos und Böhnhardt mit. Zwischenzeitlich hatte ihr „Thüringer Heimatschutz“ gar einen eigenen Ableger in Franken."(taz). Die späteren Killer Uwe Bönhardt und Uwe Mundlos sind auf folgenden Bildern zu sehen:

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Hervorgehoben: li. Uwe Mundlos, re. Uwe Bönhardt

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Vordergrund: Uwe Bönhardt (helle Bomberjacke), Jürgen Schwab (Mütze)

Dies war nicht das einzige mal, dass Falko Schüßler auf einer Veranstaltung mit den späteren NSU-Terroristen anzutreffen war. Bei einem Aufmarsch sog. “Freier Kameradschaften” in Gedenken an den ehemaligen Hitlerstellvertreter Rudolf Hess am 17. August 1996 in Worms ist er auf einem Foto zusammen mit Beate Zschäpe zu sehen. Auch an dieser Demonstration nahm die Kameradschaft Jena teil.
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Vorne rechts im dunklen Hemd Jens Pühse (heutiger NPD-Bundesorganisationsleiter), links daneben: Falko Schüßler, Beate Zschäpe

Seit seiner Zeit bei der FAP bewegte sich Schüßler in militanten Kreisen der Neonazi-Szene, er nahm an illegalen Wehrsportübungen teil und wurde erst im Februar 2012 aus der Reservistenkameradschaft Wetterau ausgeschlossen. Dort konnte er völlig legal seinem militärischen Faible fröhnen.

Für ausführliche Infos zum NSU empfehlen wir euch die Sonderseite des apabiz:
http://nsu-watch.apabiz.de/
Wir bedanken uns beim apabiz auch für die Bereitstellung der Aufnahmen.
Weitere Infos zur Naziszene und antifaschistischen Aktivitäten zu Beginn der 1990er Jahre gibts es bei kommunal.tk